Stereotype Threat und Jungen: Benötigen Jungen für gute Leistungen eine Herausforderung?

Kurzbeschreibung

Stereotype sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Befinden sich Mitglieder stigmatisierter Gruppen in einer Situation, in der das Stereotyp zum Tragen kommt, empfinden sie ein Gefühl der Bedrohung, das negative Stereotyp über ihre Gruppe zu bestätigen bzw. aufgrund dieses Stereotyps beurteilt zu werden. Diese situative Bedrohung wird als „Stereotype Threat” bezeichnet und geht auf kurzfristiger Ebene mit niedrigeren Testleistungen in der stigmatisierten Domäne einher. Besonders bekannt ist dieses Phänomen im Zusammenhang mit den mathematischen Leistungen von Mädchen: So zeigt sich, dass Mädchen, die mit dem Stereotyp „Mädchen können kein Mathe” konfrontiert wurden (Threat-Bedingung), signifikant niedrigere Matheleistungen erbringen als Mädchen, denen gegenüber das Stereotyp negiert wurde (Non-Threat-Bedingung). Dieser Leistungsabfall in der stigmatisierten Domäne ist ein robustes und reliables Ergebnis der Stereotype-Threat-Forschung. Unklar ist jedoch, welche Prozesse diese Effekte vermitteln; diskutiert werden Variablen auf affektiver, kognitiver, motivationaler und physiologischer Ebene.

Der Fokus der bisherigen Stereotype Threat-Forschung liegt v.a. auf Mädchen/Frauen und Mathematik. Dieses Projekt stellt dahingehend eine Erweiterung dar, dass die Leseleistungen von Jungen in einer negativ stereotypisierten Situation untersucht werden. Ferner ist von Interesse, welche Variablen wichtige Mediatoren (affektiv, kognitiv, motivational) und Moderatoren (domain und gender identification) darstellen. In einer ersten Studie mit Schülern achter Klassen (Gymnasium; N = 196) zeigte sich, dass Jungen in der Threat-Bedingung signifikant bessere Leseleistungen erzielten als Jungen in der Non-Threat-Bedingung. Eine erste Vermutung legt nahe, dass sich Jungen in der Threat-Bedingung stärker herausgefordert fühlten, aktiv gegen das negative Stereotyp anzukämpfen, und aus diesem Grunde bessere Leistungen erzielten. Eine Folgestudie mit 547 Schülern (Gymnasium, Realschule Plus) scheint dieses Ergebnis zu bestätigen, wird aber gegenwärtig noch ausgewertet. Basierend auf diesen ersten Ergebnissen scheinen Jungen und Mädchen unterschiedlich auf Bedrohungssituationen und damit auf „ihr” Stereotyp zu reagieren. Weitere Auswertungen folgen.

Projektverantwortliche

Dipl.-Psych. Christine Eckert (Projektleitung)
Prof. Dr. Margarete Imhof (Betreuerin des Dissertationsvorhabens)

Externe Kooperationspartner

keine

Gefördert durch

Die Finanzierung erfolgt über eine Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Projektzeitraum

Januar 2009 - März 2012

Publikationen

in Vorbereitung

Konferenzbeiträge

Eckert, C. & Imhof, M. (2011). Müssen Jungen zu guten Leseleistungen herausgefordert werden? Vortrag auf der 13. Fachgruppentagung Pädagogische Psychologie der DGPs in Erfurt, 14.-16. September 2011.

Eckert, C. (2011). Tell boys they are poor readers and they will do better, won't they? Paper accepted for the 15th JURE-Pre-Conference in Exeter, United Kingdom, 29.-30. August 2011.

Eckert, C., Imhof, M. & Scholz, M. (2010). Stereotype Threat bei deutschen Schülern mit Migrationshintergrund: Effekte auf Motivation und Leistung. Vortrag auf dem 47. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychologie in Bremen, 26.-30. September 2010.

Eckert, C. (2010). Can stereotype threat explain boys' underperformance in reading tasks? Round Table Discussion at the 14th JURE-Conference in Frankfurt/Main, Germany, 19.-22. July 2010.